Was von der WM bleibt…

Heute abend geht sie zuende – die 19. Fußballweltmeisterschaft; die erste auf dem afrikanischen Kontinent. Vier Wochen Fußball-Total mit fast täglichen Spielen finden nun ihr Ende. Und was bleibt davon in Erinnerung?
Fehlentscheidungen
Das nicht gegebene Tor der Engländer gegen Deutschland mag man noch mit Humor sehen, obwohl der Hinweis, daß das Spiel möglicherweise nach einem 2:2 anders verlaufen wäre, nicht von der Hand zu weisen ist. Doch wie ein Spiel auf den Kopf gestellt werden kann und vor allem wie die Schiedsrichter bloß gestellt werden können, konnte man eindrucksvoll beim Spiel Mexiko gegen Argentinien sehen. Mexiko beherrscht das Spiel vollkommen, als Argentinien nach fast einer halben Stunde zum ersten Angriff kommt und dabei ein Tor erzielt. In der Zeitlupe konnte man erkennen, daß Tevez dabei im Abseits gestanden hat. Das Kuriose jedoch war, daß diese Szene im Stadion auf den Videowürfel noch mal gezeigt wurde und daß jeder (auch die Schiris) sehen konnte, daß es kein reguläres Tor war. Die Schiedsrichter standen jetzt vor einem fast unlösbarem Dilemma: Korrigieren Sie die Entscheidung, würden sie viel Lob bekommen, aber die Abreise aus Südafrika wäre ihnen sicher gewesen, da die FIFA ja in dieser Frage sehr stur ist. Oder aber sie halten sich an die FIFA-Vorgaben. Man entschied sich für letzteres. Genutzt hat es wenig, denn die FIFA schickte dennoch das Schiriteam nach Hause. Blanker Hohn muß jedoch für die Engländer und Mexikaner die Erklärung von Sepp Blatter geklungen haben, der allen Ernstes meinte, daß mit dem Videobeweis jegliche Romantik dem Fußball abhanden kommen würde. Es ist ja nicht so, daß daß die WM nur alle vier Jahre stattfindet und daß dieses Ereignis der Höhepunkt eines jeden Fußballspielers ist – da ist es wenig tröstlich, wenn man wegen einer dummen Fehlentscheidung die Heimreise antreten darf. Außerdem ist Fußball mittlerweile ein Milliardengeschäft – da ist von Romantik sowieso keine Spur mehr. Wenn 36 Frauen während des Spiels aus dem Stadion geworfen werden, weil die Klamotten nicht von einen der Sponsoren stammte, ist das alles andere als romantisch.
Ich verstehe auch nicht das Problem, was gegen den Videobeweis spricht. Klar, es sollte nicht so sein, daß alle fünf Minuten im Spiel nach dem Videobeweis gerufen wird (bei der Meckerfreudigkeit der Argentinier würde ansonsten unser Viertelfinalspiel noch heute nicht beendet sein). Aber so eine Regel wie im Hockey fände ich sehr sinnvoll: Dort hat der Teamkapitän das Recht einmal den Videobeweis einzufordern. Wenn er Recht behält, hat er im Spiel nochmal das Recht. Wenn er falsch lag, darf er während des Spiel keinen Videobeweis mehr einfordern. Das würde das Rufen nach dem Videobeweis stark einschränken. Den Schiris würde etwas der Druck genommen und die Mannschaft, die gerade einen Treffer kassiert hat, muß sich nur noch über sich selber ärgern und nicht noch zusätzlich über den Schiri.
Einige argumentieren auch, daß der Kreisligafußball wegen der fehlenden technischen Möglichkeiten nicht mehr gleich gespielt werden würde, wie in den oberen Ligen. Ein Argument, daß ich ebenso wenig nachvollziehen kann, denn bereits heute gibt es Unterschiede. Oder kennt jemand eine Kreisliga in der vier Schiedsrichter im Spiel zu gange sind?

Superstars
Das Kapitel kann schnell abschließen: Ein paar Superstars alleine machen keine gute Mannschaft aus. Die Erkenntnis ist nicht neu, aber dennoch wurde sie wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Ronaldo mag vielleicht der beste Spieler der Welt sein, aber außer seiner Theatralik bleibt nicht viel von ihm und seiner Mannschaft in Erinnerung. Immerhin hat er ein Tor geschossen (ein wertvolles 6:0 gegen Nordkorea) – ein Erfolg, der Messi, der Superstar der Argentinier, nicht vergönnt war. Ebenso Wayne Rooney. Und Ribbery durfte schon mit seinem zerstrittenen Haufen bereits noch der Vorrunde nach Hause fahren. Fußball ist dann doch etwas überraschend eher ein Mannschaftssport…

Spielkultur vom feinsten

Spielkultur vom feinsten

Deutsche Mannschaft
Ich bin ganz ehrlich: ich habe nicht viel auf unsere Mannschaft gegeben. Mit dem Weiterkommen nach der Vorrunde habe ich schon gerechnet. Aber das Tableau der WM meinte es nicht gut mit uns: England drohte im Achtelfinale, Argentinien im Viertelfinale, Spanien im Halbfinale und im Endspiel Brasilien. Sollte man nach der WM wirklich Weltmeister sein, dann wäre der Titel mehr als verdient gewesen. Aber es war in meinen Augen vermessen, daß wir mehr als eine dieser großen Mannschaften schlagen würden. Kurz: ich erwartete ein großes Kampfspiel im Achtelfinale gegen England und dann die Endstation gegen Argentinien. Aber es sollte ganz anders kommen. Nicht nur, daß wir England die höchste WM-Niederlage zufügten und Argentinien 4:0 wegputzten. Es war die Art und Weise, wie wir das taten. Man konnte kaum glauben, was sich auf dem Rasen abspielte. Deutschland spielte die Gegner reihenweise an die Wand. Das brachte uns Sympathien auch im Ausland. Wenn man so will, sind wir mal wieder die Meister der Herzen, auch einige Beschränkte das nicht verstehen können, warum auch ein dritter Platz ein Erfolg sein kann. Das Entscheidene ist die Aussicht, daß hier was Großes wachsen kann. Özil ist 21 Jahre alt. Wenn alles seinen normalen Gang geht, wie gut soll er in vier Jahren spielen. Das Durchschnittsalter der Mannschaft ist 25 Jahre alt. Bedenkt man, daß aber Lahm, Poldi und Schweini als alteingesessene Spieler erst selber 25 oder 26 Jahre sind, zeigt das, welches Potential in dieser Mannschaft steckt. Das ist keine Garantie, daß wir einen Titel holen. Aber es läßt einen hoffen, daß es in zwei Jahren besser läuft. Und bis zum Halbfinale (das Deutschland ohne Frage verdient verloren hat) war in meinen Augen die deutsche Mannschaft das beste Team der WM. Deswegen meine Hochachtung an die Mannschaft und an Jogi Löw. Ich hoffe, er macht weiter und er erntet die Früchte seiner Arbeit.

Fahnen
Bereits vor vier Jahren wurde Flagge gezeigt und es gab nicht wenig “ewig gestrige”, die meinten, daß sich das für einen Deutschen nicht geziehmt (das war seinerzeit in einem Interview im ARD-Morgenmagazin – leider kann ich hierzu keinen Nachweis finden, so daß ich mich auf meine Erinnerung verlassen muß). Ich persönlich finde das, so wie bei der WM 2006, EM 2008 und dieses Jahr gelaufen ist, völlig unproblematisch. Bei uns in der Siedlung hängen deutsche, holländische, spanische, englische und sogar irgendwo eine mazedonische Fahne aus dem Fenster (obwohl die gar nicht bei der WM mitspielen). Selbst Ausländer zeigen in Deutschland angesichts unserer tollen Multikulti-Truppe Flagge. Nun kann man gut finden oder wie andere ein Bauchgrummeln haben. Was aber in meinen Augen ziemlich daneben ist, war die Meldung, daß autonome Linke mehrmals die Deutschland-Fahnen in Neukölln von Türken und Arabern zerstörten. Was kann es eigentlich besseres geben, als daß ein nationales Symbol herkunftsübergreifend zu einem verbindenen Element wird? Auf diese Weise können keine rechten Idioten das Symbol vereinnahmen. Und es verbindet, die Menschen, die in diesem Land zusammenleben – unabhängig ihrer Herkunft. Ich frage mich schon, wie beschränkt man im Denken sein muß, wenn dies nicht erkennt und so dagegen vorgeht.
Ich freue mich jedoch, daß hier eine gewisse Normalität Einzug hält. Und die würde heute abend sogar eine spanische Fahne schwingen – wenn ich eine hätte.

Tut mir leid, liebe Nachbar im Westen. Ich mag Euch wirklich und vorallem Eure Sprache. Aber da Ihr in Sachen Fußball immer so gemein seid (ich erinnere nur an die WM 1990), halte ich heute abend für Spanien. Da waren schon vor der WM für mich der Favorit und ich denke, daß sie es echt verdient haben… Auf daß es ein schönes Finale sein wird.

Het spijt me, lieve buurman naar het westen. Ik hou echt van u en vooral uw taal. Maar omdat je altijd zo gemeen gewest als het gaat om voetbal (Ik herinner me alleen de 1990 World Cup), ik hoop dat Spanje vanavond wint. Zij waren al vóór het WK voor mij de favoriet en ik denk dat ze beter verdienen… een leuke finale vanavond.

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