Frau Schausten ist meine beste Freundin

Gestern lief auf ARD und ZDF das vielbeachete Interview unseres Noch-Bundespräsidenten Christian Wulff, in dem dieser Stellung nehmen wollte zu der ganzen Kredit/Mailbox-Affäre. Ob nun dabei Herrn Wulff der erwartete Befreiungsschlag gelungen ist oder nicht, kann man sicher ausgiebig diskutieren. Fakt ist aber auch, daß die gute Frau Schausten vom ZDF eigentlich die größere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat – zumindest bei Twitter.

Was war passiert?

Herr Wulff erklärte, daß er es für normal hält, wenn er mal bei Freunden übernachtet. Frau Schausten wollte da ganz investigativ nachhaken und es kam zu folgenden Dialog:

Wulff: “Da erhebe ich auch keine Rechnung, wenn mich die Freunde hier in Berlin besuchen.”
Schausten: “Hm, aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: ‘Ich geb’ euch mal pro Nacht 150 Euro!’. Was spricht dagegen eigentlich?”
Wulff: “Machen Sie das bei Ihren Freunden so?”
Schausten: “Ja!”
Wulff: “Dann unterscheidet Sie das von mir, in dem Umgang mit den Freunden.”

Ein gefundenes Fressen für das Netz – auch wenn viele die Sachlage umgedreht haben: Nicht Frau Schausten verlangt 150,- € pro Nacht von ihren Freunden, sondern sie würde ihren Freunden 150,- € geben. Twitter ist gestern abend heiß gelaufen mit lustigen Tweets zu Frau Schaustens. So meint CoachBecci:

Kaffee und Croissant – 2,50 Euro Übernachtung bei Frau #Schausten – 150 Euro Ein netter Abend bei guten Freunden – unbezahlbar!

Oder Scherzinfarkt:

Freitag kommen die Sternsinger ins Schloss Bellevue. Unbestätigten Meldungen zu Folge sollen sie pro Person 150 Euro zahlen.

Bei allem Spot muß ich gestehen, daß ich Frau Schaustens Aussage und vorallem ihre Reaktion mehr als merkwürdig finde. Bislang haben alle meine Freunde bei uns natürlich kostenlos übernachtet. Und auch wir haben niemals unserem Freunden etwas für das Übernachten bezahlt. Natürlich kann man die kritische Frage stellen, welche Freunde Herr Wulff so besitzt. Wahrscheinlich haben die auch ein paar Ocken mehr als meine Freunde. Nichtsdestotrotz sollte es selbst einem Bundespräsidenten gestattet sein, bei Freunden auch kostenlos zu übernachten. Zumindest sollte man dann so souverän sein und wenn der Interviewpartner mit einer cleveren Gegenfrage kontert, keinen solchen Müll verzapfen. Ich denke, moralische Maßstäbe sind nur dann sinnvoll, wenn sie für alle gelten. Und da ist es durchaus in Ordnung, mal bei Freunden zu übernachten.

Aber wenn Frau Schausten so großzügig ist: Deswegen ist Frau Schausten auch meine beste Freundin und ist immer bei uns herzlich willkommen!

Nachtrag (05.01.2012; 22:25 Uhr): Frau Schausten versucht sich laut Spiegel aus der Nummer heraus zu reden. So erklärt sie:

“Ich darf Ihnen sagen: Nein, ich nehme kein Übernachtungsgeld von Freunden, die auf meiner Gästematratze übernachten. Darum ging es in dem Interview mit Wulff aber auch nicht.”

Und:

Es ging im Gesprächskontext nicht um mich, sondern um die Frage, ob man als Ministerpräsident wirklich kostenlosen Urlaub bei Millionärsfreunden annehmen darf.

Nun ja: in diesem Falle wäre die richtige Reaktion auf Wulffs Gegenfrage gewesen, zu sagen, daß hier ihre Freunde gar nicht zur Debatte stünden.

 

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