Grün hinter den Ohren

Gestern hatten wir ein Erlebnis der besonderen Art. Eigentlich warten wir immer noch darauf, daß Frank Elstner endlich mit der versteckten Kamera um die Ecke kommt. Aber der läßt immer noch auf sich warten…

Was ist passiert? Nun da muß ich erst mal etwas weiter ausholen. Wir haben Wohneigentum erworben und unsere Vorbesitzer haben uns gefragt, ob wir deren Gebäudeversicherung übernehmen wollen oder nicht. Sie gaben uns die Vertragsdaten und wir konnten so einen Preisvergleich machen. Dabei ergab sich, daß die bestehende Versicherung die günstigste war. Okay, da fiel die Entscheidung leicht. Ergo beschlossen wir, daß wir die Versicherung übernehmen. Also wurde die Versicherung informiert. Zwei Wochen später erhielten wir einen Brief von der Versicherung, wo wir darauf aufmerksam gemacht wurde, daß die Versicherung auf alte Konditionen basierte und daß damit nicht alle Risiken abgedeckt wären. Nachtigall, ick hör’ Dir trapsen! Da wollte man uns offenbar noch was verkaufen. Aber, dachte ich mir, laß die Jungs mal kommen und erzählen, was sie wollen. Vielleicht ist ja wirklich ein wichtiges Risiko nicht versichert. Ergo wurde ein Termin vereinbart und der war gestern.

Pünktlich klingelte um 11 Uhr an der Tür. Und dann staunten wir nicht schlecht. Anstelle eines gestandenen Versicherungsvertreter stand ein etwa 20 jähriger junger Mann mit einem schlecht sitzenden C&A-Anzug vor unserer Tür. Ich schaute noch mal unauffällig um die Ecke, um zu sehen, ob da noch jemand kam, aber dem war nicht so. Also baten wir den jungen Mann in die Wohnung und ihm etwas zu trinken an. Ich erklärte ihm, warum er zu uns gekommen war (das schien er nämlich nicht wirklich verstanden zu haben) und dann legte er schon los. Er öffnete seinen Laptop und zeigte uns eine ellenlange Excel-Liste, in der gegenüber gestellt wurde, was eine neue Versicherung abdecken würde und unsere alte nicht. Er zeigte uns die Liste nur, Erklärungen gab es keine. Dann faselte er etwas von einem Paket, das auch eine Haftpflicht- und eine Hausratversicherung enthalten würde. Auf den Hinweis, daß wir ja schon eine solche Versicherung hätten, meinte er, daß die Kosten unserer Versicherung von den Beiträgen abgezogen würden, bis wir aus der alten Hausrat-Versicherung raus wären. Und nannte er uns den Jahresbeitrag seines Angebots: 1095 Euro! Das ist mehr als das sechsfache als die alte Gebäudeversicherung und mehr als zweieinhalbfache wenn ich die Gebäude- und die Hausrat-/Haftplichtversicherung zusammenzähle. Das sagte ich umunwunden. Daraufhin meinte der Vertreter, daß es ja auch auf die Leistung ankäme und daß alles abgedeckt wäre. Ich konfrontierte ihn damit, daß andere Versicherungen uns Angebote gemacht hätten, die finanziell deutlich unter seinem gelegen hätte. Was sichern denn die nicht ab, was seine Versicherung absichert? Als Beispiel nannte er Elementarschäden. Als Erläuterung meinte, daß wir so gegen Erdbeben und Hochwasser abgesichert seien. Daraufhin meinte ich dann nur knochentrocken: “Das letzte starke Erdbeben in der Eifel war im 18. Jahrhundert und ich glaube nicht, daß selbst durch Klimaerwärmung der Rhein jemals durch Kerpen fließt.” (Anmerkung: ich weiß ja, daß durch Kerpen die Erft fließt, aber glaube nicht, daß er die Erft kannte, denn der kam ja aus Düsseldorf.)

Daraufhin nahm er die Elementarschäden raus und der Beitrag senkte sich um 60 Euro (also nicht nennenswert). Mir fiel dann bei der Durchsicht seines Angebots eine Ungereimheit auf. Eines der Argumente, warum die Versicherung ja so toll wäre, waren die Schadenfreiheitsklassen die analog zu einer Kfz-Versicherung funktionierten. Dadurch würde der Beitrag alle zwei Jahre günstiger. Nur in der Beitragsübersicht war im zweiten Jahr der Beitrag noch mal 100 Euro höher als im ersten Jahr, obwohl die Schadenfreiheitsklasse die gleiche war. Auf meine Frage, warum das denn so wäre, wußte der Junge keine Antwort, nahm das Angebot und zerriß es mit den Worten “Vergessen wir das Anbegot, das paßt ja sowieso nicht!” Tolle Antwort auf meine Frage.

Dann versuchte er ein auf uns zugeschnittenes Angebot zu erstellen (was ich im Vorfeld eigentlich schon als Vorbereitung auf unser Gespräch erwartet hätte). Dabei taten sich auch einige Hürden auf. Zuerst wußte der Kollege nicht, was ein Pultdach ist. Ich habe ihm dann die richtige Option in seinem Angebotstool gezeigt. Die nächste Frage zeigte, er nicht verstanden hatte, was denn nun wirklich ein Pultdach ist. “Haben Sie ein ausgebautes Dachgeschoß?”

Die nächste Frage, an der er scheiterte, war die Frage, ob wir Türen aus Edelholz hätten. Meine Frau und ich waren uns zunächst uneins, ich meinte nein, denn es handelte sich um Buchenholztüren. Wir fragten den Versicherungsvertreter, doch der wußte es auch nicht. “Wie teuer sind denn die Türen?”, fragte er. Ich nannte ihn den ungefähren Preis von 150 Euro, woraufhin er die Tür als Edelholztür klassifizierte.

Aber auch das neue Angebot war jenseits von Gut und Böse. Der junge Mann merkte, daß ihm die Felle davon schwammen. Er wirkte ja schon seit Beginn des Gespräch nervös und fahrig. Durch meine unangehmen Fragen und Verschlossenheit wurde er noch nervöser. Nun fing er an, ziemlich plump nach anderen Versicherungen zu fragen: “Haben Sie Interesse an einer Kfz-Versicherung?” “Nee, eigentlich nicht, weil ich grade erst gewechselt habe und ich kann ja auch erst im November wieder wechseln.” “Interesse an ein Gegenangebot?” “Nein!”

Dann: “Haben Sie Interesse an einer Rechtschutzversicherung?” “Haben wir schon?”

“Haben Sie Interesse an einem Gegenangebot?” “Nein! Es geht hier nur um eine Gebäudeversicherung!”

“Haben Sie schon eine Unfallversicherung?”

“Wir haben alles, was wir brauchen. Wir interessieren jetzt nur für die Gebäudeversicherung…”

Nach einer dreiviertel Stunde war der Spuk vorbei. Ich glaube, er war froh, daß er gehen konnte. Eigentlich warte ich noch auf den Anruf seines aufgeregten Vater, der uns fragt, was mir mit seinem Sohn verantstaltet haben.

Fazit: Ich bin stocksauer. Ich kann ja verstehen, daß es im Interesse der Versicherungen ist, neue Policen abzuschließen oder bestehende zu erweitern. Aber diese Posse war eine Beleidigung meiner Intelligenz. Irgendwie hatte ich das Gefühl, daß es wohl bei der Versicherung hieß: Oh, Mist, ein Termin am Wochenende. Wen könnten wir denn da hinschicken? Ach, nehmen wir doch mal unseren Azubi… Und komm’ ja mit mindestens einer neuen Police zurück, sonst kannst Du den unbefristeten Arbeitsvertrag vergessen.

Der Junge war sowas von unvorbereitet, unprofessionell im Umgang mit Kunden und teilweise so plump, daß ich ein solches Gehabe der Versicherung als persönliche Beleidigung auffasse. Aber da will ich dem Jungen keinen Vorwurf machen. Ich finde das Gehabe der Versicherung eine bodenlose Frechheit und eine Geringschätzung des Kunden. Das Ende von Lied wird sein, daß wir sogar die alte eigentlich sehr günstige Versicherung kündigen werde, und mich für 50 Euro mehr im Jahr eine Gebäudeversicherung bei einem Unternehmen meines Vertrauens abschließe.

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