Auf nach Naxos – Teil 1

Schlaftrunken wende ich meinen Blick auf den Wecker: Viertel vor drei!!! Na super, in einer halben Stunde muß ich aufstehen. Warum erwischen wir auch immer in drei Gottes Namen Flüge, die zu solch unmenschlichen Zeiten abfliegen? 6 Uhr ab Düsseldorf. Ausgerechnet Düsseldorf! Nicht, daß man 10 Autominuten vom Kölner Flughafen entfernt wohnen würde. Nein, unser Flug geht ab Düsseldorf und das schon um 6 Uhr.

Ich wüßte gerne, welche Macht in diesem Universum dafür verantwortlich ist, daß immer wir so ein Glück mit unseren Flügen haben. Seitdem wir damals so nah an den Kölner Flughafen gezogen sind, gehen unsere Urlaubsreisen in der Regel immer ab Düsseldorf und immer zu nachtschlafender Zeit. Vor zwei Jahren waren wir ja so kurz davor, mal einen vernünftigen Flug ab Düsseldorf zu bekommen. Wir wollten nach Rhodos und beim Buchen sah es danach aus, daß unser Abflug um 15 Uhr sein würde. Ich habe schon die wildesten Pläne geschmiedt: Lange Schlafen, in aller Seelenruhe die Koffer packen, gemütlich zum Düsseldorfer Flughafen fahren, dort völlig gelassen einchecken, eine Kleinigkeit essen und dann auf den Flug warten. Alles perfekt durchdacht, bis zu dem Zeitpunkt, an dem unser Ticket per Post kommen. Zunächst dachte ich, ich hätte mich verlesen: Da stand was von 6:15 Uhr auf den Tickets. Aber ich konnte es drehen und wenden, wie ich wollte: es bleib bei 6:15 Uhr auf den Tickets – mit Zwischenlandung in Stuttgart. Wer auch immer sein Finger im Spiel hatte, welche metaphysische Macht auch immer seinen Schabernack treiben wollte: Er hat wirklich einen subtilen Sinn für Humor, denn am Tag vor unserer Abreise war ich nämlich noch aus beruflichen Gründen in Stuttgart. Aber in diesen Dingen bin ich typisch deutsch und versteh da überhaupt keinen Spaß.
Wie auch immer: Auch diesmal blieb uns unser Glück treu und wir durften wiedermal mitten in der Nacht nach Düsseldorf fahren. Da es für mich tötlich ist, kurz vor dem Weckerklingeln noch mal einzuschlafen, quäle ich mich nach gut 3 1/2 Stunden Schlaf aus dem Bett. Vielleicht hätte ich nicht so lange im Roger-Cicero-Fanforum posten sollen, nachdem man sich am Vortag bei einen gemütlichen Frühstück mit einigen Mitgliedern des Forums sehr angeregt im Lizbät in Köln getroffen hatte. Nun, der Urlaub beginnt ja schon mal sehr entspannend. Die eigentlich belebende Dusche bewirkt bei mir alles mögliche – nur ist sie nicht belebend. Das kann ja noch ein heiterer Tag werden – bedenkt man, daß wir nach 3 1/2 Stunden Flug in Santorini noch nicht das Endziel unserer Reise erreicht haben, sondern auch noch mit der Fähre weiter nach Naxos wollen. Unser Hotel werden wir erst gegen 18 Uhr Ortszeit erreichen. Solche Gedanken verdränge ich besser, bevor ich völlig deprimiert bin.

Um vier Uhr verlassen wir schließlich das Haus. Ich fahre durch die verlassen wirkende schlafende Siedlung. Um genau 4:10 Uhr legen wir eine Gedenkminute ein, als wir die Autobahnausfahrt des Kölner Flughafen passieren. Wie gesagt: Manchmal bin ich völlig humorlos. Das einzig positive an der frühen Uhrzeit ist die fast menschenleere Autobahn und die rekordverdächtigen 30 Minuten Fahrzeit zum Flughafen. Meine Frau bemerkt direkt, daß dort wider Erwarten der Sky Train in Betrieb ist. Sollten wir tatsächlich eine Art Glückssträhne haben? Im Parkhaus ist ein Parkplatz in strategisch guter Lage schnell gefunden. Und als ob uns die böse Macht des Universums angesichts der uns auferlegten Strapazen entschädigen will, müssen wir in der Tat auch nicht lange warten, bis tatsächlich der Sky Train in die Haltestelle einfährt und uns auf den schnellsten Weg zum Terminal mitnimmt. Und sei das als Entschädigung für unsere Situation nicht genug, erfüllt uns dann doch der Anblick der Warteschlange vor dem Condor-Check-In-Schalter mit kaum zurückzuhaltender Schadenfreude. Spätestens jetzt war uns klar, daß die Entscheidung bereits am Vorabend einzuchecken goldrichtig war. Und da war die Schlage vor dem Schalter vor dem Schalter nicht von schlechten Eltern und wir hatten fast eine Stunde gebraucht, bis wir einer jungen äußerst gut gelaunten Dame unsere Tickets überreichen konnten. Doch diese Schlange, die wir um viertel vor fünf erblickten reichte vom Condor-Schalter aus gefühlte drei Kilometer vorbei an British Airways, Germanwings, Air Berlin, CSA und was sonst noch alles so von Düsseldorf abfliegt. Wer auch so naiv war zu glauben, daß er um viertel vor fünf locker und entspannt für seinen 6-Uhr-Flug einzuchecken zu können, dürfe nun ein ernsthaftes Problem Problem haben. Dementsprechend frustriert sahen auch die Gesichter der Urlauber aus, die mit ihrem Gepäckwagen an der Schlage vorbeikrochen, um das Ende der Schlange zu finden.

Bevor wir zum Gate gingen, haben wir uns bei Kamps mit Verpflegung bevoratet, denn die Zeiten üppiger Mahlzeiten während des Fliegens sind vorbei (wobie die Mahlzeiten auch schon früher nicht wirklich sättigend gewesen wären) und wer weiß, wann wir noch mal was zum Beißen bekommen würden. Schließlich gelangten wir zur Sicherheitskontrolle, wo uns ein hektischer Mitarbeiter fragte, ob wir denn Flüssigkeiten im Handgepäck hätten. Durch meine Vielfliegerei wußte ich natürlich, daß Flüssigkeiten immer problematisch sind und deswegen hatten wir auch auf jegliche Flüssigkeiten verzichtet. Aus diesem Grunde verneinte ich auch die Fraqge, was dem eifrigen Mitarbeiter nicht davon abhielt, seinen Fragenkatalog tapfer abzuarbeiten. Ob wir denn Cremes mit dabei hätten, was ich verneinte. Ob wir denn Zahnpasta im Handgepäck hätten. Auch das verneinte ich. Getränke? Okay, der Mann macht nur seinen Job und wahrscheinlich gerät er mindestens zehnmal am Tag an irgendwelche Tourispappnasen, die die „neue“, seit einem Jahr gültigen EU-Verordnung immer noch nicht kennen.

Aber ich bin nun mal morgens um 5 leicht nervbar und daran änderte auch nicht die Tatsache nichts, daß ich bereits seit zwei Stunden auf den Beinen war.
Nachdem wir diese Hürde auch erfolgreich überwunden hatten, begann das Warten am Gate. Es ist immer wieder amüsnat zu beobachten, wie die Leute sich völlig nervös an dem Gateschater schon mal anstellten, sobald dort ein Mitarbeiter auftaucht und dann auch druchsagt, daß das Einsteigen erst in wenigen Minuten beginnen würde. Diese Durchsage hat aber nicht die erhoffte beruhigende Wirkung – im Gegenteil: es bildet sich innerhalb weniger Augenblicke eine Schlange mit hyperventilierender Touris, die offenbar nur von dem Gedanken getrieben werden, daß der Flieger ohne sie abfliegen könnte. Ich weiß nicht, ob diese Menschen glauben, daß das Zeitfenster für das Einsteigen gerade mal 30 Sekunden betragen würde – wie in Berlin in den dortigen S-Bahnen. Diese Furcht treibt nicht wenige Mitreisende dazu, erstmal die Anweisungen des Personal geflissentlich zu ignorieren. Warum sollte der gute Mann es auch ernst meinen, wenn er sagt, daß bitte schön zuerst die Passagiere der Sitzplatzreihen 1-8 und 31-50 einsteigen mögen? Und dann die verduzten Gesichter, wenn die Leute der Reihen 9-30 erst einmal nicht reingelassen werden. Dabei mußte ich an eine Episode des Vorjahres denken. Eine Frau, die offenbar zum erstenmal flog, hatte mich ausgefragt, wie sie nun ihren Sitzplatz im Flugzeug finden würde, was ich ihr dann auch erklärt hatte. Dann wurde die Passagieren der hinteren Reihe aufgerufen. In der Warteschlage stand dann diese Frau vor mir. Nun wußte ich aber, daß sie in Reihe 8 sitzen sollte und deswegen noch nicht rein durfte. Ich machte sie darauf aufmerksam, was sie mit einem Schulterzucken quittierte. Das Ende vom Lied: Sie wurde am Gate erstmal zurückgewiesen und nicht reingelassen. Warum sollte man auch dem Flughafenpersonal glauben?

Nun ja, dieses Schauspiel bot sich uns wieder einmal und so konnte ich einigermaßen amüsiert meinen Platz im Flugzeug einnehmen. Anke wollte einen Fensterplatz haben, so daß mir nichts anderes übrig blieb, dem von mir verhaßten Mittelplatz einzunehmen. Am liebsten sitze ich ja am Gang, weil ich da wenigstens nach einer Seite Freiheit habe. Dann kommt der Fensterplatz, wo man wenigstens sich zum Schlafen gegen irgendwas anlehnen kann. Der Mittelplatz bietet einem nichts. Vielmehr darf man sich mit zwei Nachbarn um die Vorherrschaft über die jweilige Sitzlehne strieten. Denn im Normalfall betrachten offenbar alle meine Sitznachbarn die jeweilige gemeinsame Lehne als persönliches Eigentum. Auf dem Gang und am Fenster kann ich solchen Kleinkämpfen aus den Wege gehen, aber am Mittelplatz…

Nun saß ich also da auf meinem Mittelplatz und wartete gespannt, welchen Nachbarn mir das Schicksal für diesen Flug auserkoren hatte. Und es erschien eine Dame, deren Anblick mir klarmachte, daß meine Pechsträhne in dieser Hinsicht nahtlos fortgesetzt werden sollte. Nachdem ich im letzten Jahr einen Typen mit bestialischen Mundgeruch auf dem Flug nach Kreta neben mir hocken hatte und ich beim Rückflug die ganze Zeit eine herrliche Schweißnote in der Nase hatte, wußte ich sofort, daß das auch diesmal keine angenehme Nachbarschaft werden würde. Es war eine Frau mit schön auf der Sonnenbank konservierten Lederhaut mund irgendwie merkwürdig geschminkt. Der Lippenstift war knallrot und unregelmäßig über die Lippen hinweg verteilt, so daß man meinen könnte, unser zweijähriges Patenkind Sarah hätte die Lippen mit einem Buntstift angemalt. Dazu machte die Frau ein Gesicht, das deutlich machte, wie sehr sie sich auf den Urlaub freuen würde – nämlich gar nicht. Okay, wir sahen bestimmt nicht aus wie das blühende Leben, aber die Frau hat bei jeder sich beitenden Gelegenheit das Gesicht so angesäuert verzogen, daß ich mich bald nicht mehr traute zu atmen, geschweige denn sie mal höflich zu bitten aufzustehen, da Anke – am Fenster sitzend – überraschenderweise auf Toilette mußte. (Merke für’s nächste mal: Anke nie mehr am Fenster sitzen lassen!!! Sie muß 100%ig während des Flug aufs Klo – vorzugsweise dann, wenn ich endlich dabei bin einzuschlafen).

Der Flug verlief ansonsten ereignislos. Ich konnte natürlich nicht den erhofften Schlaf finden und das Frühstück war erwartungsgemäß karg: ein labbriges Brötchen, ein Puffreis-Schokoriegel und Apfelstück, die ich gleich an Anke weitergereicht habe. Irgendwann begann dann der Landeanflug auf den Flughafen Santorini. Natürlich dürfte der obligatorische Applaus nach geglückter Landung nicht fehlen. He, Ihr Legasteniker unter den Touris: Applaudiert Ihr auch, wenn Euch der Bus unfallfrei in die Stadt gefahren hat? Diese Unsitte macht mich echt krank…
Der Flughafen erwies sich als klein. Nein, das ist nicht richtig: als winzig klein! Die Suche nach dem richtigen Gepäckband erwies sich als denkbar einfach, denn es gab nur genau eines, um das sich dann gefühlte 10000 genervte Touristen versammelten. Auf dem Band wartete noch ein Rucksack eines vorherigen Fluges auf seinen Besitzer. Nach einem Blick auf das Etikett war auch klar, daß der Besitzer dieses Rucksacks auch noch was länger auf den denselben warten würden, denn es besagte “PMI” – Palma de Mallorca.
Entgegen jeglicher Erfahrung kam unser Gepäck relativ schnell, so daß wir uns frühzeitig auf den Weg zum Taxistand machen konnten, um eines der insgesamt 20 Taxen der Insel zu ergattern. Und offenbar meinte das Schicksal es wieder gut mit uns, denn obwohl wir dem letzten Taxi noch hinterher schauten, dauerte es gerade mal 5 Minuten bis ein weiterer Wagen um die Ecke kam und uns mitnahm. Unser Ziel war Dakoutros-Travel, wo noch unsere Tickets für die Fähre lagen. Die Adresse, die man uns per Mail hat zukommen lassen, war in etwa so genau wie “Reisebüro Volles in Düren“. Man hatte uns zwar versichert, daß jeder Taxifahrer wüßte, wo er uns hinbringen müsse, aber etwas Restzweifel bleiben jedoch bestehen. Das verständnislose Gesicht unseres Fahrer nährten diese Zweifel durchaus. Als er aber Blue Star Ferries Agent las, hellte sich seine Miene auf und er fuhr uns tatsächlich zielstrebisch zu unserem Ziel. Anschließend fuhren wir mit dem Bus zum Hafen, wo wir dann fast drei Stunden auf unsere Fähre warten durften…

— Fortsetzung folgt —

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