Das Blaue vom Himmel

Eigentlich bin ich eher abweisend bei Werbeanrufen. Heute habe ich mich mal drauf eingelassen, weil der örtliche Kabelnetzbetreiber angerufen hat und ich schon länger mit einem Wechsel zum digitalen Kabel liebäugle. Also habe ich mir eine Viertelstunde das Gesülze angehört und Fragen gestellt. Man würde mir anbieten für nur 1,41 Euro im Monat ins digitale Kabel zu wechseln, weil man ja in drei Monaten sowieso das Analogkabel auf digital umstellen würde (was mir neu war, weil ich dachte, es sei noch Zeit). Ich würde kostenlos einen Digitalreceiver erhalten und darüber hinaus noch drei Monate kostenlos das Familenpaket erhalten. Nach diesen drei Monaten würde man sich melden und nachfragen, ob ich das Paket noch weiter nutzen wolle. Ich würde mich für 1 Jahr binden (was ich ausgesprochen kurz fand) und könne danach monatlich aus dem Vertrag aussteigen. Das ganze klang sehr verlockend…

Da ich von Natur aus ein mißtrauischer Mensch bin, habe ich nachgefragt, wie sich das denn bitte schön für den Anbieter rechnen würde. In blumigen Worten erklärte mir der Mann, daß man spontane Kunden für einen vorgezogenen Umstieg auf das digitale Kabel belohnen wolle, weil das dem Betreiber in drei Monanten, wenn die große Umstellung käme, viel Arbeit ersparen würde. Und wie das denn sei, weil mein Kabelschluß schließlich über den Vermieter liefe. Alles kein Problem. Der Vermieter würde weiter sein Obolus entrichten, den wir ja über die Nebenkostenabrechnung zuerstatten, und ich würde nur die 1,41 Euro selber bezahlen. Ob ich das ganze Versprechen denn auch schriftlich habe könne, wollte ich wissen, weil mir das alles zu gut klang – schließlich verfolge ich seit längerem die Angebote im Netz und das paßte so gar nicht zu den bisher im Internet gefundenen Angeboten. Nun, meinte der Herr auf meine Frage, er könne mir ein nicht unverbindliches Angebot machen (sprich: der wollte direkt Nägel mit Köpfen machen) und ich hätte ja ein 14tägiges Rücktrittsrecht. Auf so einen Mist wollte mich gar nicht erst einlassen, also sagte ich, ich würde es mir überlegen. Er bestätigte mir noch, daß auch dieses Angebot im Internet zu finden sei. Nach dem Gespräch habe ich direkt mal auf der Homepage nachgeschaut und tatsächlich was zu den sagenhaften 1,41 Euro – in einer Fußnote:

Als Nutzer eines bestehenden Analogen Kabelanschluss mit Einzelnutzervertrag zahlen Sie nur 1,41 Euro zusätzlich im Monat.

Und auf einer anderen Seite:

Einzelnutzer mit aktivem Kabelanschluss zahlen nur 1,41 Euro mtl. zusätzlich.

Mieter zahlen entweder 3,90 Euro mtl. an uns oder weiter direkt an Ihren Vermieter.

Hmmm, dachte ich mir, irgendwie komisch. Also rief ich mal bei meinem Anbieter an und meinte, daß ich mich für dieses bombastische Angebot von 1,41 € interessieren würde. Die junge Dame, mit der ich jetzt sprach, wollte meine Adressdaten wissen, die ich ihr bereitwillig gab.

Danach eröffnete sie mir, daß für mich der Tarif zu 1,41€ gar nicht möglich sei, daß ich in einem Mehrfamilienhaus wohnen würde und wir einen bereits vergünstigten Kabelanschluß hätten. Die 1,41€ gelten halt nur für Einzelnutzer.

“Moment”, erhob ich erst mal Einspruch, “Ihr Kollege hat mir 1,41€ versprochen und ich habe ganz bewußt auf meine Situation als Mieter hingewiesen.”

“Da hat man Ihnen leider eine Falschinformation gegeben. Der Mensch arbeitet nicht für uns, weil wir eine Agentur für diese Anrufe beauftragt haben.”

Nachtigall, ick hör’ Dir trapsen! Mich beschlich ein leiser Verdacht, den sogleich verifizierte, indem ich der jungen Damen alles erzählte, was man mir verkaufen wollte.

Fazit:

  • Der Vertrag würde nicht ein Jahr laufen, sondern zwei…
  • Das dreimonatige Testen des zusätzlichen Paket würde sich automatisch verlängern, wenn ich nicht innerhalb von 60 Werktagen sagen würde, daß ich das Paket anschließend nicht mehr nutzen wollte (so wie bei einem Abo). Das war auch etwas anders, als versprochen.
  • Der Receiver ist kostenlos, aber es kommen 5,95 € Versandkosten hinzu.
  • Von der einmaligen Bereitstellungsgebühr von 19,99 € war zuvor auch nicht die Rede.
  • Der Kabelbetreiber stellt sein analoges Kabelnetz nicht innerhalb der nächsten drei Monate um. Diese Umstellung sei für 2012 geplant. Die junge Dame wörtlich: “und jetzt haben wir erst 2007!”

Die Dame bedankte sich für den Hinweis, daß offenbar die Agentur falsche Informationen verbreiten würde und sie würde das weiterreichen, damit man dagegen vorgehen könne. Schade, daß ich nie erfahren werden, ob das wirklich passiert. Aber es ist wohl verständlich, daß man Vertrauen in den Kabelbetreiber einen nachhaltigen Schaden genommen hat. Die Praxis solche Callcenter auszulagern und externen Anbietern zu überlassen, finde ich höchst ärgerlich und wenn diese Mitarbeiter auch dann nur das Ziel haben, den Kunden einen Vertrag mit nachweislichen Falschinformationen aufzuschwatzen, finde ich das schon höchst kriminell. Ich will gar nicht wissen, wie viele alten ahnungslosen Omas diese Torfnase heute schon einen neuen Vertrag aufgeschwatzt hat. Meines Erachtens sollten seriöse Unternehmen auf solche Maßnahmen verzichten, wenn sie nicht über die Agenturen in die Negativschlagzeilen geraten wollen. Ich jedenfalls war bis heute einem digitalen Kabelanschluß nicht abgeneigt. Nach dieser Aktion heute werde ich mir das noch mal sehr redlich überlegen müssen.

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